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Sprachdidaktisches Kolloquium

Wintersemester 2025/26

 

Digitales/KI-gestütztes Lernen in der Sprachbildung

 

Das sprachdidaktische Kolloquium ist eine Vortragsreihe, die gemeinsam vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln und dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache in jedem Semester ausgerichtet wird. 
Die einzelnen Veranstaltungen finden jeweils dienstags von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr online via Zoom statt. Der Link wird jeweils am Vortragstag über den Mailverteiler versendet. Zur Aufnahme in den Mailverteiler oder bei Fragen wenden Sie sich gerne an: Lina Schothöfer (lina.schothoeferSpamProtectionuni-koeln.de).


Interessierte Gäste und Studierende sind ausdrücklich eingeladen und herzlich willkommen.

Termine:

18.11.2025 - Fake News erkennen und widerlegen – der neue didaktische Ansatz Fictional Science für den Deutschunterricht / Stephan Schicker (Universität Graz, Österreich)

16.12.2025 - Kollaboratives digitales Schreiben mit KI – Einblicke in Prozesse und Produkte / Kirsten Schindler (Bergische Universität Wuppertal)

27.01.2026 - Digitale Rechtschreibhilfen im Deutschunterricht der Primarstufe / Tina Neff (Pädagogische Hochschule Karlsruhe)

 

Plakat zum sprachdidaktischen Kolloquium im Wintersemester 2025/26

Abstracts

18.11.2025 - Fake News erkennen und widerlegen – der neue didaktische Ansatz Fictional Science für den Deutschunterricht / Stephan Schicker (Universität Graz, Österreich)

Im Zeitalter von TikTok, ChatGPT und Facebook ist es leichter denn je, sich mit wenigen Klicks Informationen zu einem Thema zu beschaffen. Doch damit nimmt auch die Verbreitung von Falschinformationen rasant zu. Der Deutschunterricht steht vor der Herausforderung, auf diese sich wandelnden Bedingungen in einer von Digitalität geprägten Gesellschaft zu reagieren. Es war schon immer Aufgabe des Deutschunterrichts, Lernende zu befähigen, Texte als Medium zur Wissensaneignung zu nutzen. Angesichts der rasanten Verbreitung von Desinformationen im Internet ist die Fähigkeit, falsche Informationen zu erkennen und zu widerlegen, zu einer zusätzlichen zentralen Bildungsaufgabe geworden (vgl. u.a. KMK 2024; BMBWF 2000).
Im Projekt Fictional Science – Förderung von Textkompetenz im kritischen Umgang mit Fake News wurde daher unter dem Lead der Universität Graz ein neuer interdisziplinärer didaktischer Ansatz für den Deutschunterricht (Schicker et al in Druck) entwickelt. Dieser Ansatz Fictional Science wird in einer digitalen Lernplattform umgesetzt, die im Rahmen von Design-Based Research (Schicker in Druck) entwickelt, evaluiert und optimiert wurde. 
Die Lernplattform verknüpft dabei sprach- und mediendidaktische Konzepte: Mittels des mediendidaktischen Konzepts der Inoculation (Kozyreva et al. 2020) werden Täuschungsstrategien und argumentative Trugschlüsse (Cook 2020) bewusst gemacht. Zur Überprüfung von Informationen wird das laterale Lesen, als jene Lesestrategie, die auch professionelle Fact Checker:innen erfolgreich einsetzen, um Informationen zu überprüfen, vermittelt (McGrew & Wineburg 2017). Um Lernende beim schriftlichen Widerlegen von Falschinformationen sprachlich zu stützen, wird mit ihnen an einem Stützgerüst als Scaffold für die Textproduktion gearbeitet, welches auf dem schreibdidaktischen Konzept der Textprozeduren zur Förderung von argumentativen Fähigkeiten beruht (Rezat et al 2024).
Auf der digitalen Lernplattform werden Lernende zunächst für Falschinformationen in Texten und ihre Merkmale sensibilisiert (Kurs 1: das Fake News Radar aktivieren), anschließend lernen Schüler:innen Sourcing und Corroboration zur Überprüfung von Informationen kennen (vgl. Scardamalia/Goldman 2013) (Kurs 2: Informationen überprüfen). Abschließend setzen sie die daraus gewonnenen Erkenntnisse ein, wenn sie mithilfe eines im Projekt entwickelten sprachlichen Stützgerüstes (Schicker et al 2024) Falschinformation in schriftlicher Form argumentativ widerlegen (Kurs 3: Informationen widerlegen).
Der Vortrag fokussiert einerseits auf die didaktischen Grundlagen des Ansatzes Fictional Science bzw. die konkrete Umsetzung der Lernplattform im Unterrichtskontext. Andererseits werden ausgewählte Ergebnisse der Evaluierung der ersten und zweiten Iteration der Lernplattform im Rahmen von Design-Based Research vorgestellt.

Literatur:

Cook, John (2020): Deconstructing Climate Science Denial. In: David Holmes und Lucy M. Richardson (Hg.): Research handbook on communicating climate change. Cheltenham, UK, Northampton, MA, USA: Edward Elgar Publishing (Elgar handbooks in energy, the environment and climate change), S. 62–79.

Kozyreva, Anastasia; Lewandowsky, Stephan; Hertwig, Ralph (2020): Citizens Versus the Internet: Confronting Digital Challenges With Cognitive Tools. In: Psychological Science in the Public Interest 21 (3), S. 103–156. DOI: 10.1177/1529100620946707.

Kultusministerkonferenz (2024): Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule. Online verfügbar unter https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2024/2024_06_13-BNE-Empfehlung.pdf#:~:text=soziale%20Medien%2C%20das%20Erkennen%20von,KI.

McGrew, Sarah; Wineburg, Sam (2017): Lateral Reading: Reading Less and Learning More When Evaluating Digital Information. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3048994.
Rezat, Sara; Grundler, Elke; Feilke, Helmuth; Schmölzer-Eibinger, Sabine (Hg.) (2024): Textprozeduren in Spannungsfeldern. Universität Paderborn. Tübingen: Stauffenburg Verlag (Stauffenburg Linguistik, Band 130).

Scardamalia, Marlene; Goldman, Susan R. (2013): Managing, Understanding, Applying, and Creating Knowledge in the Information Age: Next-Generation Challenges and Opportunities. In: Cognition and Instruction 31 (2), S. 255–269.

Schicker, Stephan (in Druck): „Das Fake News Radar aktivieren“. Entwicklung und Evaluierung eines Kurses zur Sensibilisierung für das Thema Falschinformationen an der Schnittstelle von Medien- und Sprachdidaktik. In: MIDU - Medien im Deutschunterricht 6 (2).

Schicker, Stephan; Ehrenmüller, Jürgen; Hendler, Melanie; Reinsperger, Victoria; Kubai, Natalia; Miskulin, Lucia; Steinbauer, Bettina, Schmölzer-Eibinger, Sabine (in Druck): Media Literacy meets Language Education – Fictional Science (FiSci) Promotes Skills to Identify and Refute Fake News. In: 17(3). In: Journal of Media Literacy Education 17 (3).

Schicker, Stephan; Reinsperger, Victoria; Ehrenmüller, Jürgen; Schmölzer-Eibinger, Sabine (2024): ‘[…] and I want to be completely honest with you. You have been deceived.’. Corpus-based development of language action-oriented scaffolds to refute fake news. In: Research on Language (1), S. 75–101. Online verfügbar unter https://doi.org/10.26204/KLUEDO/8546.


16.12.2025 - Kollaboratives digitales Schreiben mit KI – Einblicke in Prozesse und Produkte / Kirsten Schindler (Bergische Universität Wuppertal)

In den letzten Jahren sind verschiedene Modelle vorgelegt worden, die versuchen, die Rollen, die textgenerierende KI beim Schreiben bzw. für die Schreibenden einnehmen kann, zu beschreiben und zu differenzieren: Steinhoff/Lehnen (2025) unterscheiden beispielsweise zwischen Ghost, Partner und Tutor (für die KI), denen auf Seiten des menschlichen Gegenübers Client, Explorer und Learner gegenüberstehen. Buck/Weßels (2025) wiederum nutzen Dominator, Facilitator und Operator, um die Gewichtung der KI innerhalb der Kollaboration herauszuarbeiten. Fürstenberg/Müller (2024) verwenden die Begriffe Taschenrechner, Tutor, Sparringspartner. Die Modellvorschläge sind dadurch gekennzeichnet, dass die Rollenzuweisung eindeutig (siehe auch Bodora et al. 2025), persistent (bezogen auf den Prozess und das menschliche Gegenüber) und durch die Nutzer*innen bestimmt ist. In meinem Vortrag möchte ich diesen Modellvorschlägen Einblicke in Prozess- und Produktdaten gegenüberstellen (Knopp/Schindler 2025) und dafür plädieren, die Rollenzuschreibungen weniger anthropomorph bzw. objektbezogen zu verstehen. Diese Einblicke sollen zugleich methodologische Herausforderungen einer KI bezogenen Schreibforschung aufzeigen.  
 
Literatur:

Bodora, Anna-Lena/ Decker, Lena/ Fuhlrott, Mareike/ Nolden, Abygail/ Steinhoff, Torsten (2025): Wie schreiben Schüler:innen in der 8. Klasse mit ChatGPT? Einblicke in das Design-Based-Research Projekt KI-Schreibarrangements. In: Leseräume 2025 (https://leseräume.de/?page_id=1255)

Buck, Isabella/ Weßels, Doris (2025): Gut geführt = gut geschrieben? AI Leadership als relevante Kompetenz in der Kollaboration mit KI-Tools. In: Brägger, Gerold/Rolff, Hans-Günther (Hg.): Handbuch Lernen mit digitalen Medien. Wege der Transformation. Weinheim: Basel, 863-880.

Fürstenberg, Maurice/ Müller, Georg (2024): KI im Deutschunterricht. Funktionsprinzipien und kompetenzbezogene Einsatzmodelle. In: Der Deutschunterricht 5 (2024), 2-13.

Knopp, Matthias/ Schindler, Kirsten (2025): Schöne neue Textwelt - Vertrauen in KI generierte Texte. In: Emmersberger, Stefan/ Kammerer, Ingo (Hrsg.): Mediale Praktiken in einer Kultur der Digitalität. Impulse für sprachliche und literarische Bildung. Heidelberg: Metzler, 139-159. 

Steinhoff, Torsten/ Lehnen, Katrin: Schreiben mit Künstlicher Intelligenz: Das GPT-Modell (Ghost, Partner, Tutor). In: Leseräume 2025 (https://leseräume.de/?page_id=1255)


27.01.2026 - Digitale Rechtschreibhilfen im Deutschunterricht der Primarstufe / Tina Neff (Pädagogische Hochschule Karlsruhe)

Es ist zu einer zentralen Bildungsaufgabe geworden, Fachdidaktik und Mediendidaktik sinnvoll miteinander zu verbinden (vgl. Anskeit, 2020). Im Deutschunterricht der Primarstufe können dazu beispielsweise digitale Rechtschreibhilfen im Schreibprozess während der Textüberarbeitung eingesetzt werden. Sie unterstützen die Schüler:innen, indem sie auf potenzielle Rechtschreibfehler aufmerksam machen und Korrekturvorschläge anbieten. Zentral für ihre Nutzung ist, dass Schülerinnen und Schüler aktiv mit den Vorschlägen interagieren. Sie sollen lernen, orthographische Strukturen sowie Korrekturvorschläge kritisch zu hinterfragen und ihre Sinnhaftigkeit im Kontext des eigenen Textes zu überprüfen (vgl. Berndt, 2001). In den Bildungsstandards des Faches Deutsch in der Primarstufe wird bereits explizit auf die Arbeit mit digitalen Rechtschreibhilfen hingewiesen (vgl. KMK, 2022, 14). Wie eine solche Integration in den Unterricht konkret ausgestaltet werden kann, zeigt sich bislang vor allem in ersten Best-Practice-Beispielen (vgl. Neff, 2021). Für einen nachhaltigen Einsatz ist jedoch eine didaktische Implementierung der digitalen Rechtschreibhilfen erforderlich, die auf evidenzbasierten Erkenntnissen beruht. Diesem Desiderat wird im Rahmen einer empirischen Interventionsstudie begegnet. Ziel des Projekts ist es, geeignete Fördermaßnahmen zur Interaktion mit digitalen Rechtschreibhilfen zu entwickeln und ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Rechtschreibleistung und Textqualität in selbstgeschriebenen Schüler:innentexten zu evaluieren. Im Vortrag werden die entwickelten Fördermaßnahmen, zentrale Ergebnisse der Studie sowie daraus abgeleitete schreib-, rechtschreib- und mediendidaktische Potenziale vorgestellt und diskutiert.

Literatur:

Anskeit, N. (2020). Digitale Medien - auch im Deutschunterricht der Grundschule. Digitalisierung des Unterrichts. In: Unterrichtspraxis, H. 7, 1-8.

Berndt, E. (2001). „Das macht doch alles der Computer“. Textverarbeitungs-Software als Instrument für Expeditionen in die Orthographie. In: Praxis Deutsch, Heft 170, 36-29.

KMK (2022). Bildungsstandards für das Fach Deutsch. Primarbereich. https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2022/2022_06_23-Bista-Primarbereich-Deutsch.pdf

Neff, T. (2021). Rechtschreibunterricht mit digitalen Medien. In: Unterrichtspraxis (GEW), Jhg.5 4, H.5, 1-8.