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Dr. Felix Giesa erhält für seine Dissertation "Graphisches Erzählen von Adoleszenz. Deutschsprachige Autorencomics nach 2000" den Preis der Offermann-Hergarten-Stiftung.

Laudatio: "Bei der zweiten der heute auszuzeichnenden Arbeiten handelt es sich um eine literaturwissenschaftliche Dissertation. Welches sind Gegenstände der Literaturwissenschaft? Die meisten von uns würden bei dieser Frage an die „klassischen“ Gattungen denken: an das Drama (das wir seit der Antike kennen), den Prosaroman (der in der Spätantike entstanden ist) oder die Novelle (der wir in der frühen Neuzeit das erste Mal begegnen). – Um alles dies geht es hier nicht, sondern um eine sehr junge Textgattung, die lange Zeit auch gar nicht als „würdiger“ Gegenstand literaturwissenschaftlicher Forschung erachtet wurde: Es geht um Comics, also ein Genre, das im 20. Jhd. einen enormen Aufschwung nahm, aber erst seit recht kurzer Zeit als literarische Form ernst genommen wird. Breitere Anerkennung wurde dem Comic bzw. der Graphic Novel erstmals zuteil, als Art Spiegelmans Werk „Maus. A Survivor’s Tale“ im Jahr 1992 als erster Comic mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet wurde.
Obwohl sich der Comic inzwischen als komplexes episches Genre etabliert hat, finden sich in der Forschung erst wenige Ansätze einer Theorie des graphischen Erzählens. Angesichts dieser Forschungslage präsentiert Felix Giesa nicht nur eine überzeugende empirische Studie, sondern leistet auch theoretisch-methodische Grundlagenarbeit und liefert einen wichtigen Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Comictheorie.
In der eigentlichen Untersuchung analysiert Herr Giesa Comics, die sich mitm Thema derAdoleszenz – also mit dem Erwachsenwerden – beschäftigen. Anhand der ausgewählten Adoleszenzcomics von Mawil Wir können ja Freunde bleiben (2005), Flix sag was (2004), Kati Rickenbach Jetzt kommt später (2011), Naomi Fearn Dirt Girl (2004), Arne Bellstorf acht, neun, zehn (2005) und Aisha Franz Alien (2011) führt Felix Giesa gekonnt in die Funktionsmechanismen innovativer Bild-Text-Narrative ein. Überdies gelingt es ihm, zu zeigen, dass die Comics Adoleszenzerfahrungen auf eine überraschende und differenzierte Weise zur Darstellung bringen, die auch eine Revision gängiger jugendsoziologischer Befunde erfordert. Insofern weisen die Ergebnisse seiner Arbeit über den Horizont der Literaturwissenschaften hinaus. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung."